Schultypen in Deutschland

Unser Schulsystem – Allgemeines

Das deutsche Schulsystem bietet im Vergleich zu manchen anderen Ländern eine Vielzahl von Förderungsmöglichkeiten des Kindes in unterschiedlichen Schulen. Grundsätzlich wird zunächst die Primarstufe besucht. Je nach Bundesland reicht diese von der ersten bis zur vierten oder bis zur sechsten Klasse. Frühförderung, Kindergarten oder Vorschule zählen im verwaltungsrechtlichen Sinne nicht zu den Schulen.
Nach erfolgreichem Abschluss der Primarstufe kommt es in der Regel zur Differenzierung in unterschiedliche Schultypen und zum Besuch der Sekundarstufe I.

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Dabei hilft vor allem die Grundschule des Kindes mit Hilfe einer Empfehlung, den am besten geeigneten Schultypen für den Schüler auszuwählen. Das Schulzeugnis mit seinen Noten spielt dabei in der Regel die wichtigste Rolle für die richtige Entscheidung. So wird das Gymnasium gerne von besonders leistungsstarken Schülern besucht. Auch die Realschule ist für gut lernende Schüler geeignet. Die Hauptschule wird meistens von Schülern besucht, die eher größere Schwächen beim Lernen zeigen. Dabei ist jedoch zu sagen, dass die Hauptschule heute fast schon ein Auslaufmodell ist. Viele Hauptschulen wurden in Gesamtschulen beziehungsweise Ganztagsschulen umgewandelt. Die Gesamtschule möchte alle Schultypen vereinen und bietet jedem Schüler die Möglichkeit, hier zu lernen. So werden Gesamtschulen sowohl von besonders leistungsstarken als auch von eher schwachen Schülern besucht. Sowohl die Gesamtschule als auch das Gymnasium bieten die Möglichkeit, die Sekundarstufe II zu besuchen und eine Fachhochschul- oder Hochschulreife zu erzielen. Privatschulen sind hier ein Weg.

Die besten Schultypen nach Focus. (focus.de)

Wie unterscheiden sich die einzelnen Schultypen voneinander?

In der Regel wählt man für sein Kind den Schultypen aus, der zu ihm passt. So tut man einem unterdurchschnittlichen Schüler keinen Gefallen damit, wenn man ihn auf einem Gymnasium anmeldet. Abgesehen davon haben die unterschiedlichen Schultypen ihre Vorgaben und Voraussetzungen, welche Schüler auf der entsprechenden Schule angenommen werden können. So ist das Gymnasium wohl am besten für überdurchschnittlich gute Schüler geeignet. Das Lernkonzept eines Gymnasiums setzt viel eigenständiges Lernen voraus. Im Vergleich zu anderen Schultypen ist der Schüler hier mehr auf sich alleine gestellt und muss selbstständig lernen.

Die Gesamtschule hingegen soll dem Schüler mehr Unterstützung bieten und setzt sehr stark auf Gruppenarbeit. Hier geht man davon aus, dass der Schüler in der Gruppe besonders effektiv lernen kann. Die Gesamtschule nimmt in der Regel alle Schüler auf – sowohl sehr starke, als auch eher schwache Lerntypen. Man geht davon aus, dass die Schüler voneinander lernen können und sich gegenseitig unterstützen. Besondere Förderprogramme gehen dann aber auch auf die einzelnen Lerntypen ein. Es findet also nicht nur gemeinsamer Unterricht statt, sondern auch getrennter leistungsdifferenzierter Unterricht. So kann man in der Gesamtschule alle Schulabschlüsse vom Hauptschulabschluss bis zur Hochschulreife erwerben.

Trend in der Entwicklung des Schulsystems

Heute geht die Tendenz sehr stark in Richtung Gesamtschule als die am besten geeignete Schulform, welche die Bildung am effektivsten beeinflussen soll. Vor allem vor dem Hintergrund der PISA-Studie, in der Deutschland mit seiner Bildung sehr weit zurück lag, ist das Schulsystem in Deutschland inzwischen vielseitig umstritten. Denn der Vergleich mit anderen Ländern, die bei dieser Studie gut abgeschnitten haben, zeigt auf, dass in Deutschland augenscheinlich etwas nicht richtig läuft. So ist es auffällig, dass die gut abgeschnitten Länder nicht diese Schultypen-Vielfalt haben, sondern in der Regel nur einen einzigen Schultypen – die Gesamtschule.
Neben dem traditionellen Schultyp Gymnasium existiert in Deutschland noch die Realschule, welche zum Abschluss der Fachoberschulreife führen soll, sowie die Hauptschule, die mit dem Hauptschulabschluss oder auch mit der Fachoberschulreife absolviert werden kann.

Die Vielfalt der einzelnen Schultypen ist riesig. (Wikipedia)

Welche Vor- und Nachteile hätte eine Verschmelzung der einzelnen Schultypen zum einzigen Schultyp – Gesamtschule?

Unter Pädagogen und Politikern wird in den letzten Jahren viel diskutiert, wenn es um Schultypen geht. Anscheinend wirkt sich das aktuelle Schulsystem in Deutschland nicht so effektiv auf die Bildung aus, wie die PISA-Studie zeigt.
Liegt der Grund womöglich wirklich in der Aufteilung der Schüler auf unterschiedliche Schultypen? Diese Frage scheint nicht so einfach zu beantworten zu sein.
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Eigentlich besteht der Sinn unseres Schulsystems mit den unterschiedlichen Typen darin, dass jeder Schüler bestmöglich gefördert werden kann. So besuchen die leistungsstarken Schüler eine Realschule oder ein Gymnasiun und die Schüler mit weniger guten Noten besuchen die Hauptschule. Innerhalb dieser einzelnen Schultypen sollen die Kinder bestmöglich gefördert werden. So sieht zum Beispiel das Gymnasium ein viel größeres Lernpensum und auch entsprechend höheres Tempo der Wissensvermittlung vor als die Hauptschule. Zumindest war das der ursprüngliche Gedanke. Denn das ist aufgrund der zentralen Abschlussprüfung nach der 10. Klasse, die zum Abschlussjahr 2006/2007 eingeführt worden ist, nicht mehr ganz so einfach möglich. Denn an dieser zentralen Abschlussprüfung nehmen alle Schüler der Gymnasien, Realschulen, Gesamt- und Hauptschulen teil. So kann der Bildungsstatus der einzelnen Schüler und vor allem Schultypen miteinander verglichen werden. Dadurch erhöht sich aber auch der Druck auf Schüler und Lehrer aller Schultypen und das Konkurrenzdenken innerhalb der verschiedenen Schultypen nimmt stark zu.

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Vor allem dieses Konkurrenzdenken kann durch eine einheitliche Schule in Form der Gesamtschule stark eingedämmt werden. Denn auch ohne zentrale Abschlussprüfung, oder gerade damals war die Stigmatisierung des einzelnen Menschen aufgrund seiner Schulzugehörigkeit sehr groß. Auch wenn man nun anhand der zentralen Abschlussprüfung womöglich sehen kann, dass da beispielsweise keine so großen Unterschiede zwischen den Ergebnissen der Realschule und dem Gymnasium sind: das Stigma der schlechteren oder Elite-Schule bleibt meist leider doch bestehen. Durch eine einheitliche Schulform könnte man das teilweise aggressive Konkurrenzdenken, welches schon in sehr jungen Jahren beginnt, so stark eindämmen. Die Schüler könnten sich so auf das notwendige konzentrieren: auf das Lernen.

Auflösung der Traditionellen Schultypen?

Jedoch wäre eine Auflösung der traditionellen Schultypen zugunsten einer einheitlichen Gesamtschule mit einem großen Problem verbunden. Die Lehrer müssten zum großen Teil umgeschult werden. Denn es ist nicht unbedingt so einfach beispielsweise einen ausgebildeten und berufserfahrenen Gymnasiallehrer mit leistungsschwachen Schülern zu konfrontieren. Der Lehrer hat es womöglich nicht gelernt, auf die besonderen Bedürfnisse solcher Schüler einzugehen und wäre mit dieser Situation wahrscheinlich überfordert. Das ist natürlich auch umgekehrt der Fall.
Das Thema Schulsystem mit seinen diversen Schultypen wird sicherlich auch in den nächsten Jahren ein heiß diskutiertes Thema in Deutschland bleiben.

Alternative Schultypen (zeugnisangst.de)